FLUGREISEN WÄHREND DER SCHWANGERSCHAFT

Prof. Teksen Çamlıbel, MD

Geburtshelfer und Gynäkologe 

 „Ist Flugreisen für mich sicher?“ Es ist die Frage des Verstandes einer werdenden Mutter, während sie sich auf einen Urlaub vorbereitet. Medizinische Experten bestätigen, dass Flugreisen bis zur 36. Schwangerschaftswoche sicher sind, sofern sie von einem Geburtshelfer genehmigt wurden. Allerdings verbieten Mediziner bei einer Risikoschwangerschaft Flugreisen. Geburtshelfer und Gynäkologe Mustafa Kır, MD aus Medizinisches Zentrum Jinemed, hat Ihre Fragen zu Flugreisen während der Schwangerschaft beantwortet.

 Was ändert sich während der Flugreise in der menschlichen Physiologie und in einem Flugzeug?

Wenn Sie sich über den Meeresspiegel bewegen, sinken sowohl der atmosphärische Druck als auch der Sauerstoffgehalt. Ab einer gewissen Höhe würde dies zusammen mit der niedrigen Umgebungstemperatur Menschenleben gefährden. Aus diesem Grund werden bei kommerziellen Flügen Kabinendruck und Sauerstoffgehalt unabhängig von den Bedingungen außerhalb des Flugzeugs angepasst.

Der Kabinendruck an Bord wird normalerweise auf einer Höhe von 6000 bis 8000 Fuß gehalten. Auch unter diesen Bedingungen ist die Luftfeuchtigkeit an Bord mit etwa 10-20 Prozent gering. Trockene Luft erhöht den unmerklichen Wasserverlust. Gesunde Menschen passen sich durch verschiedene physiologische Veränderungen ihres Körpers an solche Bedingungen an.

Welche Gefahren bestehen insbesondere bei Langstreckenflügen? Wie könnte eine Schwangerschaft diese Risiken beeinflussen?

Immobilität, Wassereinlagerungen in den Beinen, Druck auf die Kniekehlenvenen und Hyperviskosität durch Wasserverlust durch trockene Luft erhöhen das Risiko einer Venenverstopfung. Sollte sich diese Verstopfung lösen und die Lunge erreichen, tritt ein klinischer Fall auf, den wir „Lungenembolie“ nennen. Es wird auch als "Economy Class Syndrome" bezeichnet, da die Sitze in der Economy Class weniger breit sind. Senioren und Passagiere mit zusätzlichen Erkrankungen sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Bei höheren Gerinnungsfaktoren birgt eine Schwangerschaft auch ein höheres Risiko.

 Würden Flugreisen das Risiko für fetale Anomalien oder eine Fehlgeburt erhöhen?

Die Ergebnisse begrenzter Studien zu diesem Thema zeigen keine Daten über die Rolle von Flugreisen, die angeborene Anomalien erhöhen. Eine Studie von Finnair unter ihren werdenden Flugbegleitern, die im ersten Trimester an Flügen teilnehmen, hat einen 30-prozentigen Anstieg der Fehlgeburten gezeigt. Heutzutage lassen die meisten internationalen Fluggesellschaften ihre schwangeren Flugbegleiterinnen und Piloten an keinem Flug teilnehmen.

Eine Studie in Saudi-Arabien aus diesem Jahr hat gezeigt, dass häufig fliegende Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaft ein höheres Risiko für eine Frühgeburt haben. Diese Ergebnisse müssen jedoch durch neue Studien validiert werden.

Eine allgemeine Empfehlung im Lichte der aktuellen Daten lautet: „Schwangere Frauen können bis zur 36. Schwangerschaftswoche (8. Monat) frei fliegen, es sei denn, es liegt eine Krankheit vor“.

In welchen Fällen werden Flugreisen während der Schwangerschaft nicht empfohlen?

Tatsächlich sollten schwangere Frauen, wenn wir es allgemein beschreiben wollen, in Fällen mit einem möglichen Notfall oder einem hohen Risiko, in denen eine sofortige medizinische Reaktion unerlässlich ist, nicht mit dem Flugzeug reisen. 

Beispiele wären:

  • Drohende Fehlgeburt (normalerweise begleitet von Blutungen)
  • Befunde oder Zweifel bezüglich einer drohenden Frühgeburt
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Plazentastörungen
  • Schwere Anämie
  • Einschränkungen des fetalen Wachstums

Auf welche Faktoren sollten schwangere Passagiere achten? Und was sollten sie von Fluggesellschaften verlangen?

  • An erster Stelle sollten sie die Flugrichtlinien für eine Schwangerschaft dieser bestimmten Fluggesellschaft kennen. Die Fluggesellschaften erlauben Flugreisen bis Woche 28 bis 36.
  • Nach einer bestimmten Schwangerschaftswoche (in der Regel 28. Woche) kann ein ärztliches Attest oder ein Attest des Arztes (oder der Hebamme) verlangt werden, das bestätigt, dass keine Flugbeschränkungen bestehen.
  • Sie sollten sich vergewissern, dass Sie für eventuelle Notfälle den Namen einer medizinischen Einrichtung im Ankunftsbereich haben und ggf. eine Krankenversicherung haben.
  • Sie sollten sich leger kleiden und nach Möglichkeit Kompressionsstrümpfe tragen, um die Durchblutung zu fördern.
  • Sie sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
  • Sie sollten nach einem Sitzplatz am Gang fragen.
  • Sie sollten so viel wie möglich aufstehen und gehen.
  • Im Sitzen sollten Sie Übungen zur Aktivierung der Unterschenkelmuskulatur machen (solche Übungen finden Sie in den Zeitschriften der Fluggesellschaften).
  • Turbulenzen sind nicht immer vorhersehbar. Daher wird auch schwangeren Frauen empfohlen, sich im Sitzen anzuschnallen – genau wie alle Passagiere.
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